RETTET DEN RUNDPAVILLON AUF DEM EGA-GELÄNDE IN ERFURT!
Der Rundpavillon ist der optische und funktionale Mittelpunkt des nord-westlichen Teilbereichs des ega-Geländes. Jetzt ist er vom Abriss bedroht.
Ab sofort sind Karten zur Rettung des Pavillons im Kunsthaus Erfurt erhältlich.
Foto: Christoph Blankenburg
Seine gärtnerisch-freiräumlich Ausgestaltung erfuhr dieser Anfang der 70er Jahre im Vorfeld der 15. Arbeiterfestspiele der DDR. Zu dem unter dem Thema “Freizeit - aktive Erholung” angelegten Ausstellungskomplex gehörten verschiedenste Spielwiesen, Spielplätze, ein Wasserspielplatz, sowie Freibereiche für Freizeitspiele und Fitness.
Der Rundpavillon wurde 1974 vom Architekten Klaus Thiele errichtet, er wurde als multifunktionaler Veranstaltungspavillon, als Puppen- und Kindertheater, Filmvorführungs-, Ausstellungsort genutzt. Später wurde aus ihm ein Café..
Einzigartig sind die Konstruktion und bauliche Gestaltung. Der Pavillon ist als Stahlkonstruktion mit einer abgespannten Dachkonstruktion über einen polygonal gebrochenen Kreisgrundriss errichtet. Die Tragkonstruktion ist von den raumabschließenden Verglasungen und Wänden deutlich abgesetzt und unterstützt dadurch die filigrane, gleichsam entmaterialisierte Erscheinung des Bauwerks. Selten konnte sich das Bauen in der DDR so unbekümmert zeigen.
Der Raumeindruck im Inneren ist von der eindrucksvoll gefalteten und an Gestaltungen des Expressionismus erinnernden Deckenuntersicht bestimmt. Durch seine exponierte Anordnung auf der nach Westen abfallenden Geländekante ist er - im Unterschied zu den Ausstellungshallen, dem großen Blumenbeet mit seinen kleinen Verkaufspavillons - gut auch von außerhalb der ega-Geländes wahrnehmbar. Dem Rundbau kommt hierdurch eine nicht zu unterschätzende Fernwirkung und Symbolfunktion zu, die durch die prägnante zeichenhafte Formgebung des Bauwerkes unterstützt wird. Man sollte bedenken, das die DDR-Zeit auch bei Gesellschafts- und Freizeitbauten in den 60er und 70er Jahre eine architektonische “DDR-Moderne” hervorgebracht hat.
Foto: Christoph Blankenburg
Der Rundpavillon ist einerseits ein typischer Vertreter der DDR-Moderne - zu der auch die oft konstruktiv gewagten Anlagen von Ausflugsgaststätten in den sogenannten Naherholungsgebieten zählen - , andererseits hebt er sich durch seine expressive “Kronen-Form” von den wenigen noch erhaltenen vergleichbaren Exemplaren (in Thüringen nur noch: Pavillon im Paradiespark Jena, Gaststättengebäude am Hohenfeldener Stausee und Auto-Pavillon in Eisenach!) deutlich ab.
In dem von der Bauhaus-Universität Weimar herausgegebenen Standardwerk “Architekturführer Thüringen” wird der Rundpavillon auf dem Buchtitel als das markanteste thüringische Gebäude der 1970er Jahre vorgestellt. Darüber hinaus ist das Bauwerk - nach den zahlreichen Abbrüchen der der letzten 20 Jahre - eines der letzten, das in Erfurt die “DDR-Architekturmoderne” repräsentiert. Jetzt ist das Gebäude, als Teil des Gesamtensembles „iga 61“ seit Mitte der 1990er Jahre unter Denkmalschutz stehend, vom Abriss bedroht. Die Betreiber der ega argumentieren, dass ein Abriss mit anschließendem Neubau kostengünstiger als eine notwendige Restaurierung wäre.
Es geht jetzt um ein deutlichen Zeichen - zur Rettung der Moderne!
Foto: Christoph Blankenburg




